"Von der Besamung zur Fohlengeburt bis zum Verkaufspferd" - Fohlenaufzucht im "Stall van S."

Leider können wir nicht alle Nachzuchtpferde behalten.... - die schmerzliche Kehrseite der Züchtermedaille....

Mit viel Sorgfalt und Bedacht suchen wir die zukünftigen Besitzer unserer Schützlinge aus, denn wir investieren sehr viel Zeit, Zuwendung und Geld in unsere Nachzucht und möchten natürlich unsere Nachzucht nur in aller beste Hände verkaufen.

So bekommen die zukünftigen Besitzer von uns kerngesunde, bestens sozialisierte, artgerecht im Herdenverband aufgewachsene und mit viel Liebe und Zuwendung aufgezogene Jungpferde. Unsere Fohlen werden bereits wenige Tage nach der Geburt und dann in äußerst engem Zeitfenster entwurmt, ab ca. 6 - 8 Wochen mit hochwertigen Fohlenmineral- bzw. Fohlenaufzuchtfutter zugefüttert und mit 6 Monaten grundimmunisiert.

Bereits sehr früh und spielerisch erlernen unsere Fohlen den Menschenkontakt, Hufe auskratzen, Putzen, Einsprühen, mit Wasser abspritzen, Decke überlegen, Fieber messen, überall am Körper berühren lassen (auch Ohren, Gesäuge/Schlauch), Auf- und Abhalftern, an der Anbindestelle stehen/angebunden zu sein, führen (mit der Mutter und alleine), auf Stimmkommandos hören und vieles mehr.

Das "Absetzen" von der Mutter erfolgt bei uns mit ca. 6 Monaten, so stressfrei wie möglich. D.h. die Fohlen bleiben in Sichtkontakt mit der Mutter, lediglich das Milch trinken wird unterbunden. Während dieser Zeit bleiben die Fohlen bei ihren Spielkameraden und "Nanny's" die sie bereits seit der Fohlengeburt an kennen. Nach ca. 3 Wochen, sobald die Stuten die Milchproduktion eingestellt haben und die Fohlen nicht mehr säugen möchten, werden die Stuten wieder der Herde zugeführt und so wachsen die Fohlen weiter zusammen mit Mutter, Freundinnen und "Nanny's" auf. Dieses stressfreie Absetzen sind wir unseren Fohlen und auch den Zuchtstuten schuldig, da wir unsere Verantwortung die wir für unsere Pferde übernommen haben, sehr ernst nehmen. Der zukünftige Besitzer bekommt somit ein untraumatisiertes, entspanntes, bestes sozialisiertes Fohlen und profitiert durch diese Art des Absetzens das ganze zukünftige Leben im Umgang mit dem Jungpferd.

Nachfolgend haben wir als Beispiel von der Besamung, der Entwicklung im Mutterleib bis zur Geburt und schließlich bis zum Absetzen den Lebensweg unserer "Louisa Riena van S." dokumentiert.

Januar: Bereits im Vorfeld recherchieren wir ausführlich, nehmen die sog. "score bogen" unserer Stuten und der potentiellen KFPS Hengste zur Hand, stimmen diese untereinander ab und versuchen somit Stärken und Schwächen auszugleichen, berechnen Inzucht- und Verwandschaftsgrad, prüfen die GEN-Test-Ergebnisse unterschiedlicher Hengste (unsere Zuchtstuten sind alle ausschließlich Wasserkopf- und Zwergenwuchs-GEN-FREI!). Während der KFPS Hengstkörung, die jährlich im Januar in Leeuwarden/NL stattfindet - bzw. davor oder auch im Anschluss - , machen wir uns dann beim persönlichen Kontakt ein Bild der Hengste, die wir in der "engeren Auswahl" für unsere Stuten aufgrund der Recherchen haben. Dieses "persönliche" Kennenlernen ist uns extrem wichtig, da wir äußersten Wert auf umgängliche, freundliche und Hengste mit sehr guten Charaktereigenschaften legen, die man gerade abseits der Präsentationen, im Stall, beim Führen auf dem Gelände, bei der Vorbereitung etc. beurteilen kann.

ELIAS 494 hat uns - neben seiner hervorragenden Eigenschaften als Dressurpferd gepaart mit viel Rasseausstrahlung - durch seine freundliche, entspannte und imposante Art sofort in seinen Bann gezogen. Somit viel die Wahl für die Besamung von unserer Kroon-Stute "Riena Br" auf ELIAS 494.

ELIAS 494  mit Christine in den Stallungen des WTC Centers anlässlich der KFPS Hengstkörung in Leeuwarden im Januar 2020

März: In der 1. deutlichen Rosse wurde "Riena Br" besamt. Nach dem Eisprung (Ovulation) ist die Eizelle der Stute ist etwa 8 - 12 Stunden lang befruchtungsfähig. Bei erfolgreicher Befruchtung wandert der Embryo ca. 5 - 6 Tage den Eileiter hinab in Richtung Gebärmutter. Zum Zeitpunkt der Befruchtung hat das Fohlen/der Embryo die Größe eines Sandkorns. Am 10. Tag bildet sich die Dottersack-Plazenta und die Größe beträgt nun schon 2 mm. Nach Erreichen des Uterus ist der Embryo dort relativ lange frei beweglich und beginnt sich erst um den 16. Tag der Trächtigkeit in der Uterusschleimhaut einzunisten. Die eigentliche Einnistung findet sogar noch später, um den 36. - 38. Tag herum statt. Ein komplexes Zusammenspiel verschiedener Hormone sorgt dafür, dass die Trächtigkeit zustand kommt und erhalten bleibt. Bereits nach der 1. Besamung durften wir uns 19 Tage später bei der Schallung der Trächtigkeit durch unsere Tierärztin freuen.  Um die Trächtigkeit nochmals zu bestätigen und eine Zwillingsträchtigkeit auszuschließen, erfolgte am 40. Tag die zweite Ultraschallkontrolle.

1. - 3. Monat der Trächtigkeit:  Am 16. Tag erscheinen kleine Blutgefäße. Ab dem 24. Tag sind der Herzschlag, die Ausstülpung des Dottersacks sowie die Vorder- und Hintergliedmassen erkennbar. Das Fohlen bekommt eine Gestalt. Ab dem ca. 30. Tag ist das Fohlen als Fruchtanlage bereits gut erkennbar. Am 35. Tag bildet sich der Mutterkuchen als Versorgungsverbindung zwischen Stute und Fohlen. Ab dem 42. Tag ist bereits der Herzschlag der Herzanlage zu sehen. Es bilden sich Herz, Gehirn und Organe. Die Plazenta befestigt sich an der Gebärmutterwand. Am 50. Tag entwickeln sich die Hautanhangsgebilde und die Augenlieder, die geschlossen sind. Am 60. Tag misst das Fohlen ca. 10 - 12 cm, hat sich fest eingenistet und die Nabelschnur ist ausgebildet. Man kann Beine sowie das Geschlecht erkennen. Die Gebärmutter nimmt an Größe und Gewicht zu und wird komplett von der Plazenta ausgefüllt. Durch den erhöhten Nährstoffbedarf schwellen die versorgenden Gefäße um das 4-fache ihrer Normalgröße an. Ab dem 80. - 100. Tag verkümmern die Schleimhautbecher bis zur vollständigen Abstoßung.  Die Gebärmutter sinkt von ihrer Normallage, vor dem Becken, nun tief in die Bauchhöhle ab und kann an der Bauchwand entlang bis nach vorne zum Zwerchfell reichen. Dadurch kommt es zu einer veränderten Lage der Bauchorgane. Atem- und Herzfrequenz werden aufgrund der Mehrbelastung höher. Bis zur Geburt des Fohlens nimmt die Stute zwischen 10 - 20% an Gewicht zu.

4. Monat: Das Fohlen wiegt nun ca. 1 kg und misst ca. 20 - 25 cm. Die Hufe haben sich gebildet und es wachsen erste Härchen in der Lippenregion.

5. Monat: Nun kann man auch äußerlich die Trächtigkeit der Stute erkennen.

6. - 7. Monat: Das Fohlen bekommt nun Fell, die äußeren Geschlechtsteile sind gut erkennbar. Mittlerweile misst das Fohlen ca. 56 - 60 cm und wiegt ca. 5 kg. Das Fell beginnt zuerst an Hals und an der Rückenlinie zu wachsen. Jetzt kann man auch schon erste Bewegungen des Fohlens im Mutterleib sehen.

 

8. - 9. Monat: Nachdem im 8. Monat der Bauch und die Schenkelinnenseiten des Kleinen noch nackig waren, ist der Körper des Fetus nun zwar noch sehr kurz aber bereits vollständig behaart. Auch Mähne und Schweif sind bereits vorhanden. Die Knochen werden ausgeprägt (bisher waren sie gummiartig) und aktuell macht das Fohlen einen sehr starken Entwicklungsschub. Die Organe sind bereits seit Ende des 5. Monats vollständig angelegt und wachsen nun kontinuierlich weiter. Auch die Plazentation wird stetig fester. Der kleine Zwerg dürfte inzwischen ca. 25 Kilogramm wiegen und ca. 85 cm gross sein. Noch befindet sich das Kleine in Rückenlage.

...noch ca. 60 Tage bis zur Geburt

 

"Riena" benötigt nun für den Zwerg viele Mineralien zur Knochenbildung und wir füttern nun zusätzlich zum regulären Futter hochwertiges Zuchtstutenfutter. Bereits jetzt werden die Weichen für den Bewegungsapparat entscheidend gestellt. Eine Mangel- oder Überversorgung mit Selen, Mangan, Jod und Poteinen führt zu Freisetzungsproblemen des Schilddrüsenhormones Thyroxin, wodurch kann es zu lebensschwachen Fohlen, einem geringen Geburtsgewicht, Kümmern und einem Problem der Verknöcherung einzelner Knochen kommen kann. Selenmangel erkennt man oft an einem geschwächtem Immunsystem des neugeborenen Fohlens, Skelett- und Herzmuslkelveränderungen oder Hufverformungen. Der Bedarf an Kalcium und Phosphor nimmt um fast 50% zu. Ein fehlerhaftes Kalzium-/Phosphorverhältniss des Futters wirkt sich negativ auf Nieren, Darm und die Skelettentwicklung aus. Ein Proteinüberschuss kann Gelenkchips verursachen und begünstigt Fehlstellungen durch ungleiche Wachstumsschübe. Darmpechverhaltung kann durchaus an Natriummangel liegen. Eine ungenügende Versorgung der Mikronährstoffe wirkt sich auch auf die Kolostruqualität aus.

10. Monat: Das Fohlen ist komplett behaart, Mähne und Schweif sind komplett ausgebildet und es hat ca. 90 cm Körperlänge und ein Gewicht von ca. 25-30 kg. In den letzten Wochen sammelt es vermehrt Unterhautfettgewebe, Masse als Reserve und bereitet sich auf die Geburt vor indem es sich dreht. Die Lungenreife und das Darmnervengeflecht bilden sich aus. Das Fohlen kann nun auch die Augen öffnen.... noch ca. 30 Tage bis zur Geburt.

 

11. Monat: Nun hat das Fohlen seine Geburtsgröße und Geburtsgewicht erreicht, sich im Mutterleib gedreht und liegt korrekt mit dem Kopf zwischen den Vorderbeinen und die Vorderbeine liegen bereits im Geburtskanal. Die Lunge ist voll ausgereift. Es wiegt jetzt rund 35-50kg und misst 80-100 cm. Die oberen und unteren Schneidezähne sind durch das Zahnfleisch bereits zu sehen.

Das Gesäuge der Stute füllt sich mit Milch und die Geburt kündigt sich durch Harztropfen am Gesäuge sowie einem fallenden PH-Wert an. Ca. 2 Wochen vor dem errechneten Geburtstermin legen wir den Fohlen-Überwachungsgurt an und beobachten die Stute dauerhaft u.a. auch über die Videoüberwachung. Nun beginnt wohl die längste, aufregendste und spannendste Zeit eines Züchters, mit schlaflosen Nächten in freudiger Erwartung auf die anstehende Fohlengeburt.

 

 

Februar 2019: Louisa wird geboren. Durch unser Fohlenwarn- und Videoüberwachungssystem beobachten wir die Geburt und können im evtl. Notfall jederzeit hilfreich zur Seite stehen ohne die Stute beim Geburtsvorgang zu stören.

 

Bereits 2 - 3 Tage nach der Geburt dürfen Stute und Fohlen die Abfohlbox verlassen und an die frische Luft, je nach Jahreszeit und Witterung auf den Paddock oder die Koppel, die ersten ca. 2 Wochen noch "räumlich" getrennt von der Herde.

Nach ca. 2 Wochen werden Mutter und Fohlen langsam in die Herde integriert.

Die nächsten Wochen lernt das Fohlen seine spannende Umgebung kennen, dazu gehören neben den anderen Pferden auch Menschen/Kinder, Hunde, Katzen, Geräusche, Maschinen....

 

Während der nächsten Wochen und Monate verbringen wir sehr viel Zeit mit den jungen Pferden um sie mit so vielen alltäglichen Situationen bekannt zu machen, wie nur irgend möglich. Um sie optimal auf die anstehende Zuchtschau vorzubereiten, erlernen sie mit viel Ruhe und Geduld, fast spielerisch, das einsteigen in den Pferdeanhänger, zusammen mit der Mutter und auch alleine, das Abinden, das Fahrgefühl.... bevor es dann völlig entspannt im Pferdeanhänger oder LKW zur KFPS Zuchtschauvorstellung der DFZ Region Süd-Ost geht. Auch hier präsentieren sich unsere bestens vorbereiteten Fohlen äußerst gelassen, ruhig, gut handlebar (ohne Druck und ohne Gewalt) und zufrieden. Unser oberstes Gebot in allem Umgang mit unseren (jungen) Pferden: jede neue Situation soll stressfrei für Mensch und Tier erfolgen und die Pferde neue Erfahrungen immer mit gutem Gefühl erfahren und erlernen, da die positiven Eindrücke den zukünftigen Werdegang erheblich beeinflussen!

 

Neugierig, angstfrei und voller Vertrauen auch in ungewohnten Situationen

Auch in fremder Umgebung völlig gelassen und ruhig, am durchhängenden Führstrick und ruhig stehend im Wartebereich

Mit 6 Monaten werden die Fohlen von den Stuten "abgesetzt", wobei "absetzen" nicht ganz richtig ist, denn wir setzen nicht im ursprünglichen Sinn ab, sondern entwöhnen die Fohlen lediglich von der Stutenmilchversorgung. Das "Absetzen" erfolgt für unsere Fohlen so stressfrei wie nur möglich, ohne jeglichen Gewichtsverlust, ohne Stute-Fohlen-Verlustängste, ohne herzzerreissendes tagelanges Rufen von Stute und Fohlen, ohne Angst und ohne Stress. Unsere Fohlen wachsen in der Obhut der intakten Herde auf, zusammen mit Gleichaltrigen Freundinnen und sog. "Nanny's". Beim "Absetzen" werden lediglich Stute und Fohlen durch eine Zaunlitze bzw. ein Tor getrennt, d.h. sie sind weiterhin in Sichtkontakt. Die Fohlen bleiben in ihrer gewohnten Herde, bei ihren Freundinnen und ihren Nanny's. Lediglich die Milchfütterung wird unterbunden. Nach ca. 3 Wochen werden die Stuten wieder in die Herde integriert und die Fohlen wachsen weiter in der intakten Herde mit Mutterstuten, Nanny's und Spielkameradinnen auf, bis sie den neuen Lebensabschnitt bei ihren neuen Besitzern beginnen. Somit bieten wir Pferde die ohne traumatisierte Erlebnisse, bestens sozialisiert und ohne jegliche negativen Erfahrungen ihren bisherigen Lebensweg erlebt haben.